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Weltsozialforen sind für die sozialen Bewegungen eine
wunderbare Möglichkeit, sich zu treffen, auszutauschen, Netzwerk
zu erweitern, zu konsolidieren und den Blick in die Zukunft zu richten
um ihre Ziele zu verwirklichen.
Das gilt auch für die Wasseraktivisten. In Dakar hat sich die internationale
Gemeinschaft getroffen, sich von Angesicht zu Angesicht gesehen, ihre
jeweiligen Aktionsfelder besprochen und ihre Tätigkeiten vorgestellt.
Es
gab einige Wasser-Treffen, informeller Art und Seminare. Afrika war
sehr präsent und ist gebührend zu Wort gekommen. Trotz
der großen logistischen Problemen (Räume erst am jeweiligen
Morgen bekannt, schwer zu finden, Dolmetscher/innen, Technik oft
nicht vorhanden) hat sich die Wassergemeinschaft in mehreren Workshops
und Seminaren öfters getroffen.
Hier
eine Zusammenfassung der Treffen und der Themen:
Bei
ACRA, einer italienischen NGO ging es um Wasserversorgung in ländlichen
Gegenden an Beispielen aus dem Senegal, Tanzania und Burkina
Faso. Es wurde kritisch über das Verhältnis und die Verantwortung
zwischen Dorfgemeinschaften und Verwaltung diskutiert.
Im
Seminar von „France Libertés“, einer französischen
NGO, war das Thema das Recht auf Wasser und wie partizipatives Management
im Wasserbereich in urbanen sowie ländlichen Gegenden entwickelt
werden kann. Es war ein Erfahrungsaustauch mit Beispielen aus Uganda
und Süd Afrika. Sehr deutlich wurde hier und in allen zitierten
Beispielen, die ganz entscheidende Rolle der Frauen: sie sind die treibende
Kraft bei vielen Projekten und vielfach auch deren Säulen.
Beim
TransNationalInstitut-Workshop ging es um die Verbesserung der Wasserversorgung über PuPs das heißt: Demokratisierung und
Public- Public- Partnerschaften. Mehrere konkrete Beispiele zeigten
den Kampf ums Wasser aus Arbeitersicht im Senegal und in Ghana, und
wie Bauerngemeinschaften in Kamerun mit ihren Behörden verhandeln,
wenn es um ihre Wasserversorgung geht.
Wie schon berichtet, hat Afrika mit Recht, die Hauptrolle
in diesen Seminaren gespielt.
Ein
sehr wichtiges Treffen war das FAME-Atelier. FAME steht für
das alternative Welt Wasser Forum in Marseille 2012. An
dieser Stelle muss zum Verständnis, ein wenig ausgeholt werden.
Alle drei Jahre veranstaltet der Welt Wasser Rat, ein von den Wasserkonzernen
selbsternanntes
Gremium, das sogenannte Welt Wasser Forum, das letzte fand
in Istanbul 2009 statt. Auf diesen kommerziellen Messen werden Entscheidungen
getroffen
und Lösungen angeboten, die das Wasser als Ware sehen,
das satte Gewinne einbringen muss. Es geht nicht um den
Schutz der Ressource,
nicht um die Nöten, oder Beteiligung der Bevölkerung.
Das Menschenrecht auf Wasser ist auf diesen Messen ein
reines Lippenbekenntnis.
Deswegen findet parallel zu jedem kommerziellen Forum ein
Alternatives statt, in dem die Zivilgesellschaft, NGOs
und VolksvertreterInnen zusammenkommen.
Gemeinsam schlagen sie Lösungen vor, die das Wasser
als Lebensgrundlage für Mensch und Natur schützen,
anstatt es zur Ware zu degradieren. Sie setzen sich für
das Menschenrecht auf Wasser und seine effektive Umsetzung,
ein.
Seit Ende 2009 bereitet eine international besetzte Koordination,
das FAME, Forum Alternatif Mondial de l´Eau in Marseille 2012, vor.
Ein Workshop in Dakar hat den Anwesenden den Stand der Arbeit vorgestellt
und um Mitarbeit geworben. Wir freuen uns über viele neu gewonnene
Partner/innen. Die Anwesenden haben ihre Projekte beschrieben und gezeigt
dass das Thema Wasser viele Facetten hat, und dass überall in
sehr vielfältiger Weise, um das kostbare Nass gekämpft wird.
Aus
den Diskussionen ist ein Appel von Dakar entstanden.
Er bekräftigt,
- dass
Wasser keine Ware ist, sondern ein Menschenrecht und allen Menschen
garantiert sein muss.
- dass der Weltwasserrat keine Legitimität hat- weder politisch
noch technisch- weltweit über Wasser zu entscheiden und dass die
Lösungen der Konzerne fehlgeschlagen
sind.
- dass die weltweite Zivilgesellschaft nicht nur die Legitimität sondern
bereits vielfältige und erfolgreiche Erfahrungen
mit der Umsetzung von Alternativen, hat.
- Das
FAME in Marseille im März 2012 wird eine Bühne bieten für
die Kämpfe, Siege, Erfahrungen, Alternativen zur Umsetzung des Menschenrecht
auf Wasser und Entwässerung.
- es wird auch die Gelegenheit sein, die weltweiten Wassernetzwerke
zu festigen und
auszubauen.
Der
Appel lädt alle ein:
Kommt nach Marseille, zum FAME vom 10.
bis 18. März 2012. Das
Treffen in Dakar fand in einem interessanten und positiven
Kontext statt:
- Im
Juli 2010 hat die UN das Recht auf Wasser und Entwässerung
als Menschenrecht erklärt.
- Das
Pariser Wasser ist seit einem Jahr wieder in der öffentlichen
Hand der Stadt.
- In
Italien sind im Januar 2011 vom Verfassungsgericht 2 von
3 Referenden genehmigt worden, um
die Wasserprivatisierung
zu
stoppen.
Diese Referenden
werden im Juni 2011 stattfinden und könnten, wenn
sie gewonnen werden, eine neue Ära in Europa
einleiten.
- In Berlin ist zum ersten Mal in der Geschichte
dieser Stadt ein Volksentscheid erfolgreich gewesen,
es ging
um die Offenlegung
geheimer Verträge
beim Verkauf des Berliner Wassers.
Am
16./17. April wird das nächste FAME Vorbereitungstreffen in
Brüssel sein. Es werden die internationalen Wassernetzwerke
und die europäischen Gewerkschaften zum Gespräch zusammen
kommen. Sie werden Strategien besprechen und die konkreten Themen,
die in
Marseille zur Sprache kommen sollen. Alle interessierte sind herzlich
eingeladen. Zum
Schluss noch ein paar persönliche Gedanken: Dakar war für
mich ein beeindruckendes Erlebnis, ich habe viele engagierte Menschen
getroffen, die sich in sehr schwierigen Situationen einbringen, viele
wunderbare Frauen, die für und mit anderen Frauen gute und nützliche
Projekte entwickeln. Diesen Bericht möchte ich Bintou widmen.
Sie ist Senegalesin, wunderschön, hat ein bezauberndes Lächeln
und kämpft im Norden des Landes, in ihrem Dorf, an der mauretanischen
Grenze, ohne Unterstützung von außen, alleine mit der
Dorfgemeinschaft um das Leben ihrer Mitmenschen. Sie war einer
der Lichtblicke in Dakar. Christiane Hansen ,
attac
Aquattac,
Koordination FAME 2012
www.fame2012.org
Christiane.hansen@attac-m.org München im März
2011
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