aktualisiert:
5. April 2011

 

 

 

 

 

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WasserInBürgerhand!

 

Bericht über Wasseraktivitäten in Dakar
beim Weltsozialforum Februar 2011
und weitere Perspektiven

 
Weltsozialforen sind für die sozialen Bewegungen eine wunderbare Möglichkeit, sich zu treffen, auszutauschen, Netzwerk zu erweitern, zu konsolidieren und den Blick in die Zukunft zu richten um ihre Ziele zu verwirklichen.
Das gilt auch für die Wasseraktivisten. In Dakar hat sich die internationale Gemeinschaft getroffen, sich von Angesicht zu Angesicht gesehen, ihre jeweiligen Aktionsfelder besprochen und ihre Tätigkeiten vorgestellt.

Es gab einige Wasser-Treffen, informeller Art und Seminare. Afrika war sehr präsent und ist gebührend zu Wort gekommen. Trotz der großen logistischen Problemen (Räume erst am jeweiligen Morgen bekannt, schwer zu finden, Dolmetscher/innen, Technik oft nicht vorhanden) hat sich die Wassergemeinschaft in mehreren Workshops und Seminaren öfters getroffen.

Hier eine Zusammenfassung der Treffen und der Themen:

Bei ACRA, einer italienischen NGO ging es um Wasserversorgung in ländlichen Gegenden an Beispielen aus dem Senegal, Tanzania und Burkina Faso. Es wurde kritisch über das Verhältnis und die Verantwortung zwischen Dorfgemeinschaften und Verwaltung diskutiert.

Im Seminar von „France Libertés“, einer französischen NGO, war das Thema das Recht auf Wasser und wie partizipatives Management im Wasserbereich in urbanen sowie ländlichen Gegenden entwickelt werden kann. Es war ein Erfahrungsaustauch mit Beispielen aus Uganda und Süd Afrika. Sehr deutlich wurde hier und in allen zitierten Beispielen, die ganz entscheidende Rolle der Frauen: sie sind die treibende Kraft bei vielen Projekten und vielfach auch deren Säulen.

Beim TransNationalInstitut-Workshop ging es um die Verbesserung der Wasserversorgung über PuPs das heißt: Demokratisierung und Public- Public- Partnerschaften. Mehrere konkrete Beispiele zeigten den Kampf ums Wasser aus Arbeitersicht im Senegal und in Ghana, und wie Bauerngemeinschaften in Kamerun mit ihren Behörden verhandeln, wenn es um ihre Wasserversorgung geht.
Wie schon berichtet, hat Afrika mit Recht, die Hauptrolle in diesen Seminaren gespielt.

Ein sehr wichtiges Treffen war das FAME-Atelier. FAME steht für das alternative Welt Wasser Forum in Marseille 2012. An dieser Stelle muss zum Verständnis, ein wenig ausgeholt werden. Alle drei Jahre veranstaltet der Welt Wasser Rat, ein von den Wasserkonzernen selbsternanntes Gremium, das sogenannte Welt Wasser Forum, das letzte fand in Istanbul 2009 statt. Auf diesen kommerziellen Messen werden Entscheidungen getroffen und Lösungen angeboten, die das Wasser als Ware sehen, das satte Gewinne einbringen muss. Es geht nicht um den Schutz der Ressource, nicht um die Nöten, oder Beteiligung der Bevölkerung. Das Menschenrecht auf Wasser ist auf diesen Messen ein reines Lippenbekenntnis. Deswegen findet parallel zu jedem kommerziellen Forum ein Alternatives statt, in dem die Zivilgesellschaft, NGOs und VolksvertreterInnen zusammenkommen. Gemeinsam schlagen sie Lösungen vor, die das Wasser als Lebensgrundlage für Mensch und Natur schützen, anstatt es zur Ware zu degradieren. Sie setzen sich für das Menschenrecht auf Wasser und seine effektive Umsetzung, ein.

Seit Ende 2009 bereitet eine international besetzte Koordination, das FAME, Forum Alternatif Mondial de l´Eau in Marseille 2012, vor. Ein Workshop in Dakar hat den Anwesenden den Stand der Arbeit vorgestellt und um Mitarbeit geworben. Wir freuen uns über viele neu gewonnene Partner/innen. Die Anwesenden haben ihre Projekte beschrieben und gezeigt dass das Thema Wasser viele Facetten hat, und dass überall in sehr vielfältiger Weise, um das kostbare Nass gekämpft wird.

Aus den Diskussionen ist ein Appel von Dakar entstanden. Er bekräftigt,

  • dass Wasser keine Ware ist, sondern ein Menschenrecht und allen Menschen garantiert sein muss.
  • dass der Weltwasserrat keine Legitimität hat- weder politisch noch technisch- weltweit über Wasser zu entscheiden und dass die Lösungen der Konzerne fehlgeschlagen sind.
  • dass die weltweite Zivilgesellschaft nicht nur die Legitimität sondern bereits vielfältige und erfolgreiche Erfahrungen mit der Umsetzung von Alternativen, hat.
  • Das FAME in Marseille im März 2012 wird eine Bühne bieten für die Kämpfe, Siege, Erfahrungen, Alternativen zur Umsetzung des Menschenrecht auf Wasser und Entwässerung.
  • es wird auch die Gelegenheit sein, die weltweiten Wassernetzwerke zu festigen und auszubauen.

Der Appel lädt alle ein:
Kommt nach Marseille, zum FAME vom 10. bis 18. März 2012.

Das Treffen in Dakar fand in einem interessanten und positiven Kontext statt:

  • Im Juli 2010 hat die UN das Recht auf Wasser und Entwässerung als Menschenrecht erklärt.
  • Das Pariser Wasser ist seit einem Jahr wieder in der öffentlichen Hand der Stadt.
  • In Italien sind im Januar 2011 vom Verfassungsgericht 2 von 3 Referenden genehmigt worden, um die Wasserprivatisierung zu stoppen. Diese Referenden werden im Juni 2011 stattfinden und könnten, wenn sie gewonnen werden, eine neue Ära in Europa einleiten.
  • In Berlin ist zum ersten Mal in der Geschichte dieser Stadt ein Volksentscheid erfolgreich gewesen, es ging um die Offenlegung geheimer Verträge beim Verkauf des Berliner Wassers.

Am 16./17. April wird das nächste FAME Vorbereitungstreffen in Brüssel sein. Es werden die internationalen Wassernetzwerke und die europäischen Gewerkschaften zum Gespräch zusammen kommen. Sie werden Strategien besprechen und die konkreten Themen, die in Marseille zur Sprache kommen sollen. Alle interessierte sind herzlich eingeladen.

Zum Schluss noch ein paar persönliche Gedanken: Dakar war für mich ein beeindruckendes Erlebnis, ich habe viele engagierte Menschen getroffen, die sich in sehr schwierigen Situationen einbringen, viele wunderbare Frauen, die für und mit anderen Frauen gute und nützliche Projekte entwickeln. Diesen Bericht möchte ich Bintou widmen. Sie ist Senegalesin, wunderschön, hat ein bezauberndes Lächeln und kämpft im Norden des Landes, in ihrem Dorf, an der mauretanischen Grenze, ohne Unterstützung von außen, alleine mit der Dorfgemeinschaft um das Leben ihrer Mitmenschen. Sie war einer der Lichtblicke in Dakar.

Christiane Hansen ,
attac
Aquattac,
Koordination FAME 2012
www.fame2012.org
Christiane.hansen@attac-m.org

München im März 2011


 

 

 

 

 

 



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