aktualisiert:
10. Dezember 2023

 

 

 


 

 

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WasserInBürgerhand!

BBU-Wasserrundbrief Nr. 1209, 30. Oktober, 2023

 

Mischwasserentlastung entlastet die Landwirte – tatsächlich?

 

Viele Landwirte leben im festen Glauben, dass ihnen total fälschlicherweise die Nitratbelastung des Grundwassers in die Schuhe geschoben wird – beispielsweise wenn Nitratmessstellen neben Friedhöfen oder neben Altlasten liegen. Ob die Tiefe der Grundwasserströme und deren Richtung überhaupt vom „Leichengift“ aus den Friedhöfen und von den ausblutenden Schadstoffen aus den Altlasten beeinflusst wird, wird von den Landwirten, die sich notorisch ungerecht behandelt fühlen, erst gar nicht diskutiert. Immer wieder wird von den frustrierten Landwirten auch das Argument aufgetischt, dass die Mischwasserentlastungen aus den Kanalisationen ebenfalls zu einer gravierenden Gewässerbelastung führen. Aber alle Welt würde sich nur über die Silagesäfte und Gülle aus der Landwirtschaft sowie über die Abwässer aus den Biogasanlagen aufregen – während die überfließenden Kanalisationen in der Politik, in den Medien und bei den sogenannten Umweltschützern konsequent ignoriert würden.

Jüngstes Beispiel ist der Blog von „Bauer Willi“. In seinem Beitrag vom 19. Aug. 2023 schreibt der berühmte „Bauernverteidiger“ dass aus den bei Starkregen überfließenden Kanalisationen große Nährstofffrachten in die Gewässer - und damit letztlich auch ins Grundwasser - gelangen würden. Bauer Willi fordert deshalb, dass das Nitrat-Messstellennetz im Hinblick auf die Mischwasserentlastungen ebenfalls „überprüft“ werden müsste. Und weiter:

„Die vorschnelle und unberechtigte Vorverurteilung der Landwirtschaft ist zwar einfach aber in solchen Fällen nicht angemessen.“

Bauer Willi ärgert sich zudem, dass in den Medien über die Mischwasserentlastungen und ihre Folgen nur sehr „verhalten“ und verharmlosend berichtet würde – wenn überhaupt. Von zahlreichen Usern bekam Bauer Willi viel Zustimmung in der Kommentarfunktion zu seinem Blog. Beispielsweise schreibt ein Kommentator: „Alle Politiker (auch die Grünen) und alle Behörden decken diese Umweltverschmutzung.“ Es sei ja auch viel bequemer, die Landwirte als die „Hauptschuldigen“ für die Gewässerverschmutzung zu diffamieren.

Der betreffende Blog und die zahlreichen Kommentare dazu können unter
https://www.bauerwilli.com/was-machen-die- klaeranlagen-bei-unwetter/
nachgelesen werden.

[Viele Landwirte fühlen sich einem fortdauernden Bauernbashing ausgesetzt. Bei den „Freien Bauern“ ist von einer „abgrundtiefen Verachtung der Landwirte durch den Staat“ die Rede. Da liegt es nahe, dass die frustrierten Landwirte jede sich bietende Gelegenheit ergreifen, um sich zu entlasten. Die Gewässerverschmutzung durch die Mischwasserentlastungen scheint besonders geeignet, da die bei Starkregen überquellenden Kanalisationen tatsächlich ein gravierendes Gewässergüte-Problem sind – allerdings für die Bäche und die kleineren Flüsse.
Die Nitratbelastung des Grundwassers müssen sich die Landwirte weiterhin und größtenteils selbst zurechnen lassen. Selbst im stark abwasserbelasteten Neckar liegen die maximalen Nitratkonzentrationen unter 30 mg/l. In angrenzenden Grundwasserleitern können aber Konzentrationen gemessen werden, die deutlich über dem Grenzwert von 50 mg/l liegen. Insofern trägt Uferfiltrat aus dem mit Mischwasserentlastungen „gesegnetem“ Neckar zur „Nitratverdünnung“ im benachbarten Grundwasser bei. -ng-]


Der BBU-WASSER-RUNDBRIEF berichtet regelmäßig über die Angriffe auf die kommunale Daseinsvorsorge. Interessierte können kostenlose Ansichtsexemplare anfordern.
Clip-Fisch 2

 
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