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24. Januar 2024

 

 

 


 

 

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WasserInBürgerhand!

BBU-Wasserrundbrief Nr. 1214, 4. Januar 2024

 

Die Schlacht um Mégabassines und
Grundwasserraubbau in Frankreich

 

In ganz anderen Dimensionen als bei uns spielen sich die Konflikte um die landwirtschaftliche Bewässerung in Frankreich ab.

Dort war es im März 2023 zu regelrechten Schlachten zwischen 30.000 Demonstranten und der als besonders brutal angesehenen Compagnies Républicaines de Sécurité (CRS) gekommen. Die kasernierte CRS gilt als Bürgerkriegspolizei, die kein Pardon kennt. Die DemonstrantInnen kamen aus den Reihen des militanten Schwarzen Blocks, der Kleinbauern und Biolandbauverbände sowie den Mitgliedern von Umweltschutzvereinigungen. Das Ergebnis des blutigen Zusammentreffens von CSR und weiteren Polizeieinheiten einerseits und DemonstranInnen andererseits am 25. März 2023 beim südwestfranzösischen Dörflein Sainte-Soline: 47 Verletzte auf Seiten der Polizei, 200 auf Seiten der Demonstranten, darunter zwei im Koma.

Grund der Schlacht: Der Bau von riesigen Speicherbecken für die landwirtschaftliche Bewässerung. Die Halbjahresspeicher sollen im Winter mit „überschüssigem“ Grundwasser gefüllt werden. Im Sommer können die Landwirte dann mit dem gespeicherten Wasser ihre Äcker, Felder und Sonderkulturen bewässern. Eigentlich eine gute Idee angesichts von zunehmenden Dürreperioden. Aber der Zorn und die Wut der DemonstrantInnen richten sich dagegen, dass das Wasser nur wenigen privilegierten Großbauern zur Verfügung stehen soll.

Die private Aneignung von Grundwasser durch die industrielle Landwirtschaft stößt vielerorts in Frankreich auf Ablehnung. Denn gigantische Speicherbecken („mégabassines“) wie bei Sainte-Soline sollen vielerorts in Frankreich errichtet werden. Rund 1000 Becken sollen bereits installiert sein. Weitere 1000de Becken sind in ganz Frankreich geplant. Die bis zu 15 Meter tiefen Megabecken sind zum Schutz gegen Versickerung vollkommen mit Kunststofffolie ausgekleidet. Das hilft allerdings nicht gegen die Verdunstung. Angeblich sollen bis zu 40 Prozent des gespeicherten Grundwassers durch Verdunstung verloren gehen. Angesichts der „Winterdürre 2023“ in Südwestfrankreich wird die Befüllung der Becken im Winterhalbjahr zudem als „Angriff“ auf die knapper werdenden Grundwasserressourcen gewertet. Außerdem würde die Grundwasserförderung zum Trockenfallen von Bächen, Weiern und Feuchtgebieten führen.

Die GegenerInnen der „Megabecken“ verlangen alternativ die Regenerierung des Landschaftswasserhaushaltes – beispielsweise durch die Wiedervernässung von Mooren. Für mehr (Hintergrund-)Informationen über die erbitterten Auseinandersetzungen um die Mégabassines bitte die Begriffe „Megabecken Frankreich“ in eine Suchmaschine eintippen. Dann bekommt man auch zugehörige Videos von ARD und Arte angeboten.

 

EU-Subventionierung der agrarindustriellen Megabecken

Die GegnerInnen der „Mégabassines“ monieren, dass die Becken von der französischen Regierung und der EU zu Gunsten weniger Profiteure hochsubventioniert würden. Die landwirtschaftlichen Kooperativen der Großbauern müssten nur 30 Prozent der Kosten selbst tragen. Ein weiterer Kritikpunkt: Das Wasser aus den Megabecken würde größtenteils für den Anbau von Futterpflanzen für die Massentierhaltung und von Energiepflanzen für die Produktion von „Biogas“ und Agrosprit eingesetzt.

 

 


Der BBU-WASSER-RUNDBRIEF berichtet regelmäßig über die Angriffe auf die kommunale Daseinsvorsorge. Interessierte können kostenlose Ansichtsexemplare anfordern.
Clip-Fisch 2

 
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