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1. Januar 2026

 

 

 


 

 

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WasserInBürgerhand!

BBU-Wasserrundbrief Nr. 1243, 12. Dezember 2025

 

Wie Pipi theoretisch zu Dünger werden könnte

 

Mit „Ressourcenorientierte(n) Sanitärsysteme(n) für nachhaltiges Wassermanagement“ beschäftigt sich Jonas Kleckers in der WasserWirtschaft 10/2025, S. 41 – 44. Klekers unterstreicht das „enorme Ressourcenpotenzial“ im Abwasser und bedauert folgerichtig, dass die bestehenden Abwasserinfrastrukturen durch ihre hohen „Pfadabhängigkeiten“ diese Potenziale nicht heben könnten. Der Autor betont die Entlastung kommunaler Kläranlagen, wenn es eine Urinseparierung in größerem Umfang geben würde. Auf der Basis von Simulationsberechnungen habe sich in Teileinzugsgebieten der Kläranlage in Münster u.a. gezeigt, dass bei einer 50 %igen Urinseparierung die Beaufschlagung der Kläranlage mit Stickstoff signifikant reduziert werden könnte. Damit würde auch der energieaufwendige Belüftungsbedarf der Kläranlage zur Stickstoff-Eliminierung um 28 Prozent abnehmen. Da zudem 64 % der Mikroschadstoffe über den Urin („Gelbwasser“) ausgeschieden werden, könnte die Fracht an 12 untersuchten Pharmawirkstoffen und drei Süßstoffen im Ablauf der Kläranlage um 38 Prozent verringert werden.

Voraussetzung auch hier: In 50 Prozent der angeschlossenen Haushaltungen müssten Urinseparationstoiletten eingebaut werden. Bei einer 100 %igen Urinseparierung könnten die Mikroschadstoffe sogar um 73 Prozent im Kläranlagenablauf reduziert werden. Wenn es eine Urinseparierung in größerem Umfang geben würde, schließt sich sofort die weitere Frage an, was man denn mit dem gesammelten Urin sinnvoll anfangen könnte. Die sinngemäße Antwort von Klekers: Derzeit noch nichts – weil in Deutschland (im Gegensatz zur Schweiz und zu Österreich) die Nutzung von Urin als Düngemittel immer noch illegal wäre. Weitere Auskunft zu den rechtlichen Hürden bei der Weiterverarbeitung von Schwarz- und Gelbwasser zu Düngemitteln bei

Jonas Kleckers, M.Sc
Inst. f. Infrastruktur | Wasser | Ressourcen | Umwelt an der FH Münster
E-Mail: kleckers@fh-muenster.de

Neuartige Sanitärsysteme:
Es fehlt an einer
Lösung für den vorhandenen Gebäudebestand!

Der Autor des ecosan-Artikels in der WasserWirtschaft bietet in seinem zuvor erwähnten Aufsatz keinen praktizierbaren Weg an, wie man den vorhandenen Gebäudebestand mit alternativen Sanitärsystemen umbauen könnte. Wenn schon die Heizungswende aufgrund von „Pfadabhängigkeiten“ und emotionalen Blockaden weitgehend scheitert, ist eine Toilettenwende noch viel schwieriger zu bewerkstelligen. Denn im Gegensatz zu einer profanen Heizung ist der Umgang mit menschlichen Ausscheidungen in der Intimsphäre der häuslichen Toilette um einiges heikler.

Im BBU-Wasser-Archiv gibt es immer noch die Overhead-Folien, mit denen wir schon in den 80er Jahren kurzgeschlossene Verwertungskreisläufe für das Sanitärabwasser auf Quartiersebene propagiert hatten. Was damals von den Hochschulprofessoren für Siedlungswasserwirtschaft noch lauthals verhöhnt wurde, ist mittlerweile in der etablierten Abwasserszene angekommen. Aber im Grund genommen stehen wir jetzt nach bald einem halben Jahrhundert bei der Frage, wie man den bestehenden Gebäudebestand auf „ressourcenorientierte Sanitärsysteme“ umrüsten kann, immer noch ohne realistische Antwort da.

Auch Kleckers kann nur auf Neubauprojekte verweisen, die man von Anfang an auf „Neuartige Sanitärsysteme“ (NASS) hin konzipiert hat – beispielsweise ein Quartier in Paris, wo in 600 Wohnungen und Geschäften eine Urinseparierung betrieben wird und eine semizentrale Behandlung erfolgt. Treiber für die dortige Urinseparierung sei gewesen, dass die bereits ausgelasteten Pariser Kläranlagen keine zusätzliche Stickstoffbeaufschlagung erlaubt hätten. Aus dem Urin in dem Pariser Neubauviertel wird Dünger für die städtischen Grünanlagen hergestellt. Wenn wir aber mit diesen alternativen Verfahren nicht halbwegs großflächig in den vorhandenen Gebäubebestand hineinkommen, wird die Ressourcenrückgewinnung aus Schwarz- und Gelbwasser auf Dauer „nur“ ein ambitioniertes Nischenprodukt bleiben.

-n.g.-

 


Der BBU-WASSER-RUNDBRIEF berichtet regelmäßig über die Angriffe auf die kommunale Daseinsvorsorge. Interessierte können kostenlose Ansichtsexemplare anfordern.
Clip-Fisch 2

 
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