Neuartige Sanitärsysteme:
Es fehlt an einer Lösung für den vorhandenen Gebäudebestand!
Der Autor des ecosan-Artikels in der WasserWirtschaft bietet in seinem zuvor erwähnten Aufsatz keinen praktizierbaren Weg an, wie man den vorhandenen Gebäudebestand mit alternativen Sanitärsystemen umbauen könnte. Wenn schon die Heizungswende aufgrund von „Pfadabhängigkeiten“ und emotionalen Blockaden weitgehend scheitert, ist eine Toilettenwende noch viel schwieriger zu bewerkstelligen. Denn im Gegensatz zu einer profanen Heizung ist der Umgang mit menschlichen Ausscheidungen in der Intimsphäre der häuslichen Toilette um einiges heikler.
Im BBU-Wasser-Archiv gibt es immer noch die Overhead-Folien, mit denen wir schon in den 80er Jahren kurzgeschlossene Verwertungskreisläufe für das Sanitärabwasser auf Quartiersebene propagiert hatten. Was damals von den Hochschulprofessoren für Siedlungswasserwirtschaft noch lauthals verhöhnt wurde, ist mittlerweile in der etablierten Abwasserszene angekommen. Aber im Grund genommen stehen wir jetzt nach bald einem halben Jahrhundert bei der Frage, wie man den bestehenden Gebäudebestand auf „ressourcenorientierte Sanitärsysteme“ umrüsten kann, immer noch ohne realistische Antwort da.
Auch Kleckers kann nur auf Neubauprojekte verweisen, die man von Anfang an auf „Neuartige Sanitärsysteme“ (NASS) hin konzipiert hat – beispielsweise ein Quartier in Paris, wo in 600 Wohnungen und Geschäften eine Urinseparierung betrieben wird und eine semizentrale Behandlung erfolgt. Treiber für die dortige Urinseparierung sei gewesen, dass die bereits ausgelasteten Pariser Kläranlagen keine zusätzliche Stickstoffbeaufschlagung erlaubt hätten. Aus dem Urin in dem Pariser Neubauviertel wird Dünger für die städtischen Grünanlagen hergestellt. Wenn wir aber mit diesen alternativen Verfahren nicht halbwegs großflächig in den vorhandenen Gebäubebestand hineinkommen, wird die Ressourcenrückgewinnung aus Schwarz- und Gelbwasser auf Dauer „nur“ ein ambitioniertes Nischenprodukt bleiben.
-n.g.-