Der bewässerungsintensive Avocadoanbau in Chile hatte in den Nullerjahren einen Boom erlebt. Seit dem macht sich aber mehr und mehr der Klimawandel bemerkbar. Den Großgrundbesitzern und Avocadoplantagenbetreibern nutzen ihre Wasserrechte nur noch begrenzt. Es regnet einfach zu wenig, die Grundwasserneubildung geht zurück und mit dem knapper werdenden Bewässerungswasser schrumpfen auch die ehemals ausgedehnten Avocadoplantagen. Um ein Kilo Avocado bis zur Ernte reifen zu lassen, werden auf den Plantagen um die 1000 Liter Wasser benötigt.
Angesichts der schwindenden Wasserressourcen richtet sich die Hoffnung der Plantagenbesitzer mehr und mehr auf die Meerwasserentsalzung, die mit der stromintensiven Umkehrosmose betrieben wird. Das ist zwar teuer. Aber das Exportgeschäft mit der besonders wohlschmeckenden chilenischen Avocado ist so lukrativ, dass sich der energieintensive Transport von entsalztem Meerwasser bis ins Landesinnere lohnen könnte. Wer dabei voraussichtlich wieder einmal leer ausgehen wird, ist die verarmte Landbevölkerung, die ihr Trinkwasser über Tankwagen beziehen muss.
1981 ist unter der neoliberal ausgerichteten Pinochet-Diktatur das Privateigentum an Wasser in die chilenische Verfassung aufgenommen worden. Wasserrechte sind seit dem käuflich erwerbbar. So ist es zu erklären, dass in manchen Avocadoanbauregionen die Wasserrechte größtenteils einigen wenigen Großgrundbesitzern gehören.
Der Filmemacher Fabian Kulle ist nach Chile in die Avocadoanbau-Region Petorca gereist und hat zu den dortigen Wasserverteilungskonflikten Aktivisten und einen Großplantagenbetreiber interviewt. Die Erwartung der Aktivisten war, dass bei der Volksabstimmung über eine neue Verfassung im Jahr 2022 die Privatisierung des Wassers wieder zurückge-dreht werden könnte. Die fortschrittliche Verfassung mit ihrer ökologischen und sozialen Ausrichtung ist aber mit 62 % der abgegebenen Stimmen abgelehnt worden. Insofern beschreibt der Film von Fabian Kulle zwar gut die Konfliktlage, kann aber nur wenig Hoffnung machen, dass sich die AktivistInnen in ihrem Kampf für eine gerechtere Wasserverteilung durchsetzen können.
Aber es kommt noch schlimmer: Der Film ist vor der letzten Präsidentenwahl in Chile fertiggestellt worden. Bei der Stichwahl am 14.12.25 hatte sich der Rechtskonservative José Antonio Kast klar gegen seine linke Mitbewerberin durchgesetzt. Kast entstammt einer einflussreichen Familie, die schon unter der Pinochet-Diktatur ihre Pfründe eingefahren hat. Dass aus gerechnet unter Kast das Wassergesetz geändert werden könnte, glaubt in Chile niemand.
Fabian Kulles sehenswerter Recherchefilm „Wem gehört das Wasser“ (24 Min.) kann auf Youtube unter
https://www.youtube.com/watch?app=
desktop&v=i8booD-w_Sw
angeschaut werden.
(Mehr zum bewässerungsintensiven Anbau von Avocados, Blaubeeren und Agaven in Süd- und Mittelamerika – und den daraus resultierenden Wasserverteilungskonflikten - in den RUNDBR. 1219/4, 1203/1 und 1185/2.)