Aus den PFAS-20 wurden sodann die vier giftigsten Vertreter herausgesucht. Für diese PFAS-4 gilt ein Grenzwert von nur noch 20 ng/l. Dieser Grenzwert wird im Januar. 2028 in Kraft treten. Wie Prof. Ulrich Borchers vom IWW auf einem DVGW-Seminar am 04.12.25 ausführte, steht allerdings zu erwarten, dass der Grenzwert für die PFAS-4 mit zunehmendem toxikologischem Wissen verschärft werden könnte. Dies sei „wahrscheinlich“, so der Wasseranalytiker vom IWW Zentrum Wasser in Mülheim an der Ruhr.
Die Trinkwasserkommission beim Umweltbundesamt empfiehlt den Gesundheitsämtern und den Trinkwasserversorgern schon jetzt, die kommenden PFAS-Summe-4-Grenzwerte für 2028 zu antizipieren.
Inzwischen liegen von den deutschen Wasserversorgern weit über 2.000 Datensätze mit statistischer Relevanz zur PFAS-Belastung des jeweiligen Trinkwassers vor. Damit kann ein guter Überblick über die PFAS-Belastung des Trinkwassers in Deutschland gewährleistet werden. Danach liegen maximal drei Prozent der Wasserversorger über dem PFAS-20-Grenzwert von 100 ng/l. Unter Einbezug der PFAS-4 liegt die Überschreitung bei fünf Prozent. Nach einer Schätzung des IWV könnten in Deutschland von einer Grenzwertüberschreitung bei den PFAS-20 – also über 100 ng/l – etwa 116 Wasserversorger mit ca. 426 Anlagen betroffen sein. Bei den PFAS-4 müssen sich vermutlich etwa 208 Wasserversorger mit etwa 760 Anlagen mit einer Grenzwertüberschreitung – also über 20 ng/l – auseinandersetzen. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es etwa 5.600 Wasserversorger, die etwa 15.000 Wassergewinnungsanlagen betreiben.
Sollte die Voraussage von Herrn Prof. Borchers zutreffen, dass eine Verschärfung des Grenzwertes für die PFAS-4 kommen könnte, würde sich die Zahl der von einer Grenzwertüberschreitung betroffenen Wasserversorger erheblich erhöhen. Falls keine PFAS-armen „Ersatzwässer“ zur Verfügung stehen, würde das einen gigantischen Aufbereitungsaufwand (Aktivkohlefilter – ggf. mit nachgeschaltetem Ionenaustauscher) nach sich ziehen. Die Kosten für die WasserkonsumentInnen könnten sich um 30 Cent pro Kubikmeter erhöhen. Von diesem Zusatzbetrag ging zumindest der Chef der Stadtwerke Rastatt, Olaf Kaspryk, in einem Interview in der Sendung „Umwelt & Verbraucher“ des Deutschlandfunks am 04.12.25 aus. Die Wasserversorgung in Rastatt ist von der flächenmäßig größten PFAS-Kontamination in Deutschland betroffen (siehe Kasten). Kaspryk knüpfte an diese zusätzliche Belastung der GebührenzahlerInnen die Forderung, die „erweiterte Herstellerverantwortung“ aus der neuen EG-Kommunalab-wasser-Richtlinie (KARL) auch auf die Trinkwasserversorgung zu übertragen – soll heißen: Die Produzenten und Inverkehrbringer von PFAS sollen sich an den Kosten der Aufbereitung PFAS-belasteter Trinkwässer beteiligen.
PFAS- und TFA-Infos zum Weiterrecherchieren
Prof. Ulrich Borchers vom IWW Zentrum Wasser hat am 04.12.2025 auf einem DVGW-Online-Seminar zur PFAS-Problematik den Vortrag: „PFAS im Fokus: Risiken, Bewertungen und Vorkommen im deutschen Trinkwasser“ gehalten. Der Text zum Vortrag ist im Modernisierungsreport 25/26 der wwt erschienen. Leider steckt das ganze Heft hinter einer Paywall.
Umfassende Infos und Karten zur PFAS-Belastung bei Rastatt (s. RUNDBR. 1229/1) und Mannheim bietet eine Homepage des Regierungspräsidiums Karlshruhe unter:
https://kurzlinks.de/uc89
Infos zu den stetig zunehmenden TFA-Konzentrationen im Wein gibt es unter
https://kurzlinks.de/zomc
Mehr Infos zu TFA in Lebensmitteln und in deutschen Trinkwässern:
https://kurzlinks.de/di5m
Infos zu TFA im Schweizer Grundwasser:
https://www.bafu.admin.ch/de/naqua-tfa
Infos zu PFAS und TFA im Trinkwasser in Frankreich – siehe: DLF-Umwelt & Verbraucher am 04.12.25 in dem Beitrag „PFAS-Belastung von Trinkwasser in Frankreich - Neue Behörden-Studie“.
Infos zur reproduktionstoxischen Neubewertung der Trifluoressigsäure:
https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/trifluoressigsaeure-tfa-bewertung-fuer-einstufung
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