Dr. Hans-Joachim Grommelt (siehe.Kasten unten) vom Bundesarbeitskreis Wasser des BUND hat uns auf einen Fehler im RUNDBR. 1243/2 im Hinblick auf die Hauptquellen von Trifluoracetat (TFA) im Grundwasser aufmerksam gemacht. Danach ist im deutschen Grundwasser nicht der atmosphärische TFA-Eintrag aus dem Abbau von Kältemitteln der dominierende Eintragsweg. Haupteintragsweg ist der Abbau von PFAS-haltigen Herbiziden (u.a. Flufenacet). Zwar ist weltweit gesehen der photokatalytische Abbau von (teil-)fluorierten Kältemitteln - und die daraus folgende „nasse Deposition“ (also der Niederschlag) - der Haupteintragsweg in die aquatische Umwelt – siehe:
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/5750/publikationen/2021-05-06_texte_36-2021_abbau_kaelte-treibmittel.pdf
Aber davon regnet der größte Teil über den Ozeanen ab. Schaut man sich nur die deutschen Ackerböden an, dann dominieren mit Abstand die fluorierten Herbizide. Basierend auf Abschätzungen des Umweltbundesamtes (UBA) zeigt ein Vergleich der mit dem Niederschlag eingetragenen TFA-Mengen (96 Tonnen) mit dem potenziellen Freisetzungspotenzial aus PFAS-Pestiziden (434 Tonnen) eine 4,5-fach höhere emissionsrelevante Masse aus Pesti-zidanwendungen. Von einem „potenziellen Freisetzungspotenzial“ wird deshalb gesprochen, weil der Abbau der fluorhaltigen Pestizide („Pflanzenschutzmittel, PSM“) bis zum TFA mehrere Jahre dauern kann und auch nicht unbedingt vollständig abläuft. Das UBA kommt zudem zu dem Schluss, dass in 303 von 401 Landkreisen in Deutschland (76 %) der Pestizideinsatz der Haupteintragspfad für TFA im Grundwasser ist (Mittelwert: 1,12 μg/l). Niederschläge dominierten in 51 Landkreisen (13 %; Mittelwert: 0,44 μg/l), Kläranlagen in 38 (9 %; 0,90 μg/l), während industrielle Direkteinträge nur in 9 Landkreisen (2 %; 1,82 μg/l) die Hauptquelle darstellten – siehe:
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/11850/publikationen/102_2023_texte_tfa_v2.pdf
(Dort wird einschränkend darauf hingewiesen, dass in vielen Regionen Deutschlands „die Datenlage nicht ausreichend für statistisch robuste Auswertungen“ sei.)
„Zu einem ähnlichen Ergebnis [wie in Deutschland] gelangt man, wenn man die österreichischen Verkaufszahlen von PFAS-Pestiziden mit den potenziellen TFA-Einträgen aus dem Niederschlag vergleicht: Ausgehend von einer Niederschlagsmenge von 941 mm (entspricht 9.410.000 Litern pro Hektar) und einer TFA-Konzentration im Regenwasser von 335 ng/l gelangten im Jahr 2022 etwa 8 Tonnen TFA mit dem Regen auf Österreichs landwirtschaftlich genutzte Flächen (insgesamt rund 2,5 Millionen Hektar). Zum Vergleich: Im selben Jahr wurden laut den Wirkstoff-Verkaufszahlen des Bundesamts für Ernährungssicherheit 116 Tonnen PFAS-Pestizide in Österreich verkauft. Diese Wirkstoffe weisen ein geschätztes TFA-Freisetzungspotenzial von 41 Tonnen auf. Damit ist der potenzielle TFA-Eintrag durch Pestizide rund 5-fach höher als jener aus dem atmosphärischen Eintrag über den Regen“,
schreibt die österreichische Umweltorganisation „Global2000“ in ihrer „Faktensammlung PFAS-Pestizide und TAF in Wasser, Böden und Lebensmitteln“ unter
https://www.global2000.at/sites/global/files/Faktensammlung%20TFA%20%26%20
PFAS%20Pestizide.pdf
Der oben genannte UBA-Bericht kommt zu folgenden Schlussfolgerungen:
„► TFA im Niederschlag führt zu einer Grundbelastung der Grund- und Oberflächengewässer. Über den Niederschlag findet ein ubiquitärer Eintrag von TFA statt, (…)
► PSM sind eine bisher unterschätzte, flächenhaft bedeutsame Quelle für TFA.“
Der UBA-Bericht ist auch insofern lesenswert, weil er erläutert, wie schwierig es ist, überhaupt an belastbare Datenquellen heranzukommen. Die Geheimniskrämerei betrifft u.a. industrielle Direkteinleitungen, aber auch die Anwendungsmengen von fluorhaltigen Pestiziden auf den jeweiligen landwirtschaftlichen Nutzflächen.
Wohin mit dem Abwasser aus der TFA-Eliminierung im Trinkwasser?
Dr. Grommelt hat noch auf einen weiteren Aspekt in der TFA-Debatte hingewiesen:
„Die Entfernung von TFA aus dem Trinkwasser ist nicht nur aus finanziellen Gründen nicht praktikabel. Bei der Umkehrosmose werden nicht nur TFA, sondern auch die Mineralien aus dem Wasser entfernt. Sie müssten nach der Behandlung wieder zugesetzt werden, damit das Wasser trinkbar wird. Außerdem entstehen große Mengen Abwässer mit hohen TFA- und Salzkonzentrationen, die entsorgt werden müssten (wie und wo?).“
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